Aktuelles aus allen Bereichen

Das erste Pflänzchen im Internat Ettal

Christoph Elsner am Montag, 16 Oktober 2017

Fritz Dopfers Vision ist eineinhalb Jahre alt. Ettal soll sich zum bayerischen Stams wandeln und Sportinternat werden. Mittlerweile ist die erste Skifahrerin eingezogen. Ein Besuch inmitten von Schuhen, Bildern und Träumen.

Ski Alpin

von Andreas Mayr

Ettal – Es lebe die Ordnung. Früher, als Veronika Zinkl noch in Landshut gewohnt hat, sah ihr Zimmer chaotischer aus. Aber was soll schon am falschen Fleck liegen nach ein paar Wochen im neuen Heim? Sie hat ja kaum etwas mitgenommen. Nur zwei Schränke, die voll mit Schuhen sind, ein Nachtkästchen, Kleidung. Ja, und drei Fotos, die ihr Freundinnen geschenkt haben, die ihr richtig wichtig sind. Mit den Mädchen hält sie noch den Kontakt. Täglich schreiben sie sich übers Handy.

Zinkl, die alle nur Vroni nennen, hat in Ettal ein neues Leben begonnen. Vielleicht mag das hochgegriffen klingen. Doch so fühlt es sich für die 14-Jährige an. Sie hat ihre Heimat Landshut verlassen, ihre Eltern, ihre Freundinnen, um im Skisport weiterzukommen. Als erste Sportlerin nutzt Zinkl die Kooperation von Internat und Bayerischem Skiverband. Im Kloster-Internat lernt und wohnt sie, in Garmisch-Partenkirchen trainiert sie. „Unser erstes zartes Pflänzchen“, sagt Fritz Dopfer, der Skigau-Chef.

Im Frühjahr 2016 hatte er das Projekt angestoßen. Dopfer senior träumt, dass Ettal eines Tages zum bayerischen Stams wird. Ein Sportinternat, an dem die Top-Talente ausgebildet werden. „Das Angebot kann so leicht keiner bieten“, schwärmt Dopfer. Doch bislang hat sich nur Zinkl gemeldet. Dopfer überzeugte ihre Eltern beim Infoabend Ende März, zu dem etwa 15 Interessierte kamen. Er räumt ein, dass das damals etwas unglücklich gelaufen ist. Die meisten Eltern, für die das Angebot in Frage kommt, hatten zu diesem Zeitpunkt längst Schulen gefunden. Im Kloster findet man’s gar nicht so schlecht, mit nur einer Sportlerin das Experiment zu starten. Die Situation ist ja für alle neu, betont Pater Thaddäus Schreiber. Lieber langsam wachsen wie eine Pflanze. „Wenn wir fünf Neue gehabt hätten, wäre es ungleich schwieriger geworden.“

Schreiber stellt das Bindeglied zwischen Schule und Leistungssport dar. Meistens ist er beschäftigt, Zinkl zum Training nach Garmisch-Partenkirchen zu fahren. Früher, als die Skifahrerin noch in Rosenheim trainierte, verbrachte sie 16 Stunden pro Woche auf der Straße. Im Auto zog sie sich um, aß, versuchte, Hausaufgaben zu erledigen. Abends reichte die Kraft noch, um Duschen zu gehen und „ins Bett zu fallen“. Allein weil sie die ganze Belastung los ist, „ist mir die Entscheidung für Ettal leicht gefallen“, sagt Zinkl. Neben Training und Schule bleibt sogar noch Zeit für andere Dinge. In den ersten Wochen hat sie sich viel in Ettal umgeschaut. Manchmal sitzt sie auf der Bank über der Basilika und blickt einfach nur ins Tal. „Beeindruckend“, sagt sie. Im Internat wohnt sie mit zehn Gleichaltrigen. Drei Tage brauchte sie zum Auftauen. Doch die Vroni sei so unkompliziert, sagt Internatsleiter Frater Gregor Beilhack. Keiner habe sich Sorgen gemacht, dass das Mädchen sich nicht integriert.

Im sportlichen Bereich hat Dopfer sie an den Werdenfelser Gaukader angedockt. Gut genug ist die Landshuterin, schließlich hatte sie der Inngau in sein Auswahlteam berufen. Für welche Region Zinkl im Winter startet, entscheiden die Funktionäre im November nach den Sommer-Lehrgängen. Derzeit trainiert sie viermal wöchentlich bei Stefan Beck, dem ehemaligen Weltcup-Coach. „Er war da, wo sie hinwill“, sagt Dopfer. Gelernt hat Zinkl das Skifahren in der Heimat ihres Vaters. Zur Gaudi nahm sie an der Vereinsmeisterschaft in Buchbach teil und gewann. Als im örtlichen Club die Trainer ausgingen, wechselte sie zum SC Rosenheim. „Freilich war’s immer ein Nachteil, dass wir soweit weggewohnt haben“, sagt die Slalom-Spezialistin.

Das Problem ist Zinkl mit dem Umzug nach Ettal los. Ihrem Vorbild sollen bald weitere folgen. Ende des Jahres plant Dopfer den nächsten Infotag. Internatsleiter Beilhack wünscht sich, dass „ein paar dazukommen“. Er redet von zwei, drei Sportlern. „Bei acht oder zehn Neuen würden wir dem Einzelnen nicht gerecht werden.“ Die Schule mag sich nicht auf den alpinen Skisport beschränken. Langläufer, Biathleten, Handballer, Tennisspieler – man kann sich viel vorstellen in Ettal. „Wir sind überzeugt, dass das eine Erfolgsgeschichte wird“, betont Fritz Dopfer. Selbst wenn es für Zinkl nicht für die Spitze reicht, werde in Ettal „ein Mensch geformt“, sagt Dopfer. „Für mich ist dieser Punkt genauso wichtig.“


 

Bericht aus dem Garmisch-Partenkirchner Tagblatt vom 12.10.2017

weiterlesen

Fritz Dopfer bestätigt seine Rückzugspläne

Christoph Elsner am Montag, 07 August 2017

Landkreis – Fritz Dopfer meint’s ernst mit seinen Rückzugsplänen vom Vorsitz im Skigau Werdenfels. Ein paar Tage, nachdem er bei der Vereinsvertreterversammlung in Garmisch-Partenkirchen mit der Aussage „Ich werde im kommenden Jahr sehr wahrscheinlich zurücktreten“ überrascht hatte, bestätigte er dies im Gespräch mit den Schongauer Nachrichten: „Ich denke, es ist an der Zeit, dass ein Jüngerer den Job übernimmt“, sagt der Schongauer. „Ein bisserl frischer Wind schadet bestimmt nicht.“ Dopfer, der Vater von Weltcupfahrer Fritz Dopfer junior, hat sich in den vergangenen 13 Jahren mit viel Ehrgeiz und Herzblut für den Gau, der die 51 Skiclubs zwischen dem Isartal und der Peitinger Region zusammenfasst, engagiert.

Die Skiregion ohne Dopfer? Kaum vorstellbar – aber wohl schon bald Realität. Zumindest in vorderster Front. Als einen Grund führt er eben sein Alter an. Im kommenden Jahr wird er 70. „Ich bin fit und fühle mich gut, könnte die Aufgaben durchaus noch bewältigen“, sagt er. Trotzdem sei es an der Zeit, sich zurückzuziehen. Die Suche nach einem geeigneten Nachfolger hat er bereits aufgenommen, hat „zwei, drei Kandidaten im Auge“. Ganz von der Gaubühne verschwinden wird er wahrscheinlich nicht. Sollte sein Nachfolger Hilfe benötigen, werde er stets mit Rat und Tat zur Stelle sein, versichert er. Er kann sich auch vorstellen, in der Übergangsphase den Vize-Posten zu bekleiden.  tf

 

Bericht aus dem Garmisch-Partenkirchner Tagblatt vom 05.08.2017

weiterlesen

Weitere Informationen


sponsoren

Kalender

Alle Veranstaltungen und Termine in einer Übersicht

mehr Informationen

Downloads

Formulare, Regelwerke, Ausschreibungen oder Ergebnislisten

mehr Informationen

Team Login

×